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Brandenburgs SPD-General will Partei frustrierten Linken öffnen

Klaus NessPotsdam (ddp). Brandenburgs SPD-Generalsekretär Klaus Ness will seine Partei für enttäuschte Linke-Politiker öffnen. Innerhalb der Linken gebe es eine zunehmende Unzufriedenheit mit dem radikalen Kurs von Parteichef Oskar Lafontaine, sagte Ness der Nachrichtenagentur ddp am Freitag in Potsdam. Insbesondere Reformer im Osten wehrten sich gegen die unrealistischen Politikkonzepte Lafontaines.

Noch herrsche eine Art Burgfrieden innerhalb der Linken,sagte Ness. Nach der Bundestagswahl am 27. September werde dieAuseinandersetzung jedoch erheblich an Schärfe gewinnen. Und weitereenttäuschte Linke würden die Partei verlassen. Die SPD sollte offensein für jene Linken, die sozialdemokratische Positionen teilen.

Nessfügte hinzu, es gehe nicht um das Gros der Linken. Das Durchschnittsalter der Partei liege in Brandenburg bei 67 Jahren. DieÄlteren würden die Linke eher nicht verlassen. Es gehe um dieGeneration der heute 40- bis 50-Jährigen, die dafür gekämpft hätten,die ehemalige SED in eine demokratische Partei umzuwandeln. Jedochwerde sich die SPD beispielsweise nicht für Leute öffnen, die einefrühere Stasi-Tätigkeit verteidigen. Anders sei das bei Menschen, dieeine in jungen Jahren ausgeübte Stasi-Mitarbeit als Fehler eingeräumthätten und sich seit 20 Jahren für die Demokratie engagierten.

DerGeneralsekretär hatte zuvor bereits im SPD-Heft "Perspektive 21" dafürgeworben, die "Türen und Fenster" zu öffnen. Die ehemalige PDS habeeine erstaunliche Wende vollzogen: "von der gehassten SED-Nachfolgerinzu einer von drei bestimmenden Parteien im Osten". Die Linke stelleheute zahlreiche Bürgermeister, Landräte und Minister. Zudem begreifesie sich in einigen Ländern als "Regierungspartei im Wartestand". Dashabe zu einer "Entradikalisierung" geführt.

Zugleich habe jedochdie Bundespartei unter Lafontaine ihren Kurs verschärft. Es zeige sich,dass die Lafontaine-Truppe im Westen eine "Ansammlung vonSelbstdarstellern, Sektierern und selbst ernannten Revolutionären" sei.Dabei werde den alten PDS-lern im Osten immer unwohler. Manche hättenbereits Konsequenzen gezogen und seien ausgetreten.

NachAuffassung von Ness hat die PDS in den ersten beiden Jahrzehnten nachder deutschen Wiedervereinigung eine wichtige Rolle gespielt, indem siegroße Teile der ostdeutschen Gesellschaft in die gesamtdeutscheintegriert habe. Diese Aufgabe scheine nun langsam beendet zu sein. DieLinke verliere ihr Alleinstellungsmerkmal im Osten, weil sie keine reinostdeutsche Partei mehr sei. Das könne zur Chance für die SPD werden.