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Smalltalk im Wahlkampfzelt

Smalltalk im WahlkampfzeltAlt Stahnsdorf (ddp-lbg). Es ist perfekt inszeniert: Die Sonne senkt sich über den satt-grünen Rasen. Der Wasserstrahl aus dem Sprenger glitzert. Der Grill wird schon angeheizt. Matthias Platzeck kommt forschen Schrittes auf die Menschenmenge zu. Er schüttelt Hände, umarmt und herzt. Er ist wieder in seinem Element. Es istWahlkampf, und Wahlkampf liegt Platzeck. Schon 2004 hatte er die SPD in einem fast aussichtslos erscheinenden Kampf doch noch zum Sieg in Brandenburg geführt.

Dieses Jahr will Platzeck bei der Landtagswahl am 27. September nicht nur gewinnen, sondern auch den Abstand zur Linken wieder vergrößern. 2004 hatte die SPD mit 32 Prozent nur relativ knapp vor der damaligen PDS mit 28 Prozent gelegen. Die CDU hatte nicht einmal 20 Prozent erreicht. Es kam zu einer Neuauflage der rot-schwarzen Landesregierung. Für die neue Legislaturperiode lässt sich Platzeck wie schon 2004 alle Optionen für eine Koalition offen.

Platzeck ist die Nummer eins der märkischen SPD und auf ihn ist der Wahlkampf zugeschnitten. Da geht es manchmal weniger um inhaltliche Fragen. Zuwendung geben und Interesse zeigen - das sind Platzecks Stärken. Dem potenziellen Wähler scheint es zu gefallen: «Sympathisch ist er», sagen einige Gäste dieses Sommerabends. Ob sie jedoch am Wahltag auch ihr Kreuz bei der SPD machen, ließen einige offen.

16 solcher Sommerabende organisiert die SPD in diesen Tagen. Fast jeden Abend taucht Platzeck in einem anderen Ort Brandenburgs auf. Ineinem großen weißen Zelt, das SPD-Helfer von Ort zu Ort mitnehmen, trifft er jeweils rund 150 Ehrenamtliche und Unternehmer der Region. Er zieht den ganzen Abend lang von Tisch zu Tisch. Das kann schon mal vier Stunden dauern.

An diesem Abend in Alt Stahnsdorf bei Storkow greift sich Platzeck ein Glas Rotwein und ein Glas Wasser. Dann hört er zu. Er zeigt Respekt, er staunt, er muntert die Leute auf. Aber er sagt auch, was nicht geht. Als eine Vertreterin eines Golfplatzes für ein Großereignis Unterstützung des Landes einfordert, spricht Platzeck von «Luxusproblemen» und erteilt der Dame eine klare Abfuhr. Als jedoch eine junge Unternehmerin schildert, sie kämpfe seit Jahren vergeblich um eine Baugenehmigung für eine Reithalle auf ihrem Pferdehof, verspricht Platzeck, nachzuhaken.

Dem SPD-Chef bereite diese Art von Wahlkampf Vergnügen, sagt sein Generalsekretär Klaus Ness. Und der 55-Jährige selbst betont: «Dassind die fruchtbringendsten Veranstaltungen. Hier zeigt sich, wie das Land, wie die Leute ticken.» In seiner Rede zur Eröffnung des Abends spricht der Spitzenkandidat über die Leistungen der Menschen in Ostdeutschland nach dem Mauerfall. Die Diskussion darüber, ob die DDR ein Unrechtsstaat war oder nicht, ist für ihn längst abgehakt.

Wenn die DDR ein beliebter Staat gewesen wäre, wären nicht Zehntausende geflüchtet und hätten nicht Zehntausende den Fall der Mauer bewirkt, sagt Platzeck und fügt hinzu: «Wir feiern in diesem Jahr nicht 60 Jahre DDR, sondern 20 Jahre friedliche Revolution und 20 Jahre schwierigen Umbruch.» Die Leistung, die die Menschen nach der Wende erbracht hätten, sei heute das Thema.

In dem Zusammenhang weist Platzeck auch Aussagen seines langjährigen Kabinettkollegen Jörg Schönbohm (CDU) zurück. Der Innenminister hatte kürzlich angesichts der mangelnden Hinwendung zum christlichen Glauben von einer «Verwahrlosung» Ostdeutschlands gesprochen. Wahlkämpfer Platzeck nennt das eine falsche Schlussfolgerung.

Wie zum Beweis betont er Erfolge. Brandenburg sei eine moderne Region in Europa geworden. Die Zeit der gescheiterten Großprojekte sei vorbei. Die Arbeitslosigkeit habe sich erheblich verringert, und sie sinke sogar noch während der Krise. Aber es gebe auch noch viel zu tun, ergänzt Platzeck und verweist auf Defizite in der Bildung. In den Gesprächen im Zelt geht es auch um fehlende schnelle Internetanschlüsse auf dem Lande oder den Ärztemangel. Platzeck hört geduldig zu, manchmal beschwichtigt er auch aufbrausende Gemüter.

Ins Staunen gerät er am Tisch mit den Sportlern von Alt Stahnsdorf, auf deren Anlage das SPD-Zelt an diesem Abend steht. Die kleine Gemeinde mit nur 417 Einwohnern bringt es auf 239 Mitglieder im Sportverein Blau-Weiß Alt Stahnsdorf. 14 Jugend-Fußball-Mannschaften werden hier betreut. Und die Strippen ziehen unter anderen Waltraud und Günter Pirke. Die beiden 72 und 75 Jahre alten Senioren sind seit 1954 im Verein. Sie hat seit 1970 die Hand auf der Vereinskasse, er ist auch im Vorstand und kümmert sich außerdem um den Rasen. Über diesem ist es längst dunkel geworden. Platzeck zieht zum nächsten Tisch.

Von ddp-Korrespondentin Susann Fischer