SPD SPREE-NEISSE
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UMFRAGE: "Zeit für Rot-Rot"

Wie sehen Wahlkampfunterstützer von Matthias Platzeck den Richtungswechsel nach links?

DreiTage vor der Landtagswahl am 27. September hatten prominenteUnterstützer in der MAZ per Anzeige gemeinsam für ihren KandidatenPlatzeck geworben. "Für uns gibt es keinen besserenMinisterpräsidenten. Wir wählen Matthias Platzeck. Zweitstimme istPlatzeck-Stimme!", hatte es geheißen. Doch wie sehen sie ihre Teilnahmean der Kampagne heute? Bereuen sie ihre Entscheidung angesichts desBündnisses mit den Linken? Was spricht für und gegen diese Koalition?Die MAZ hat einige dazu befragt.

BerndSchröder, Trainer Turbine Potsdam: Im Verein bilden wir mit RolfKutzmutz und Günter Baaske schon lange eine rot-rote Koalition. DasBündnis mit der Linkspartei ist meiner Meinung nach die einzigeAlternative, die zur Verfügung stand. Das Hauptargument für die Linkewar, dass man die CDU nicht wollte. In der Linken gibt es einige klugeKöpfe, die die Situation in Brandenburg hier und da realistischereinschätzen können.

Detlef Baer, Chef des DeutschenGewerkschaftsbundes in Brandenburg: Was für eine Frage?! Ich binnatürlich positiv überrascht und ein großer Befürworter der rot-rotenKoalition. Unsere wichtigsten Forderungen wie der Mindestlohn und eineReform des Vergaberechtes sind nur in dieser Konstellation umsetzbar. Ich habe allerdings Verständnis für die Befindlichkeiten anderer Genossen, die anders sozialisiert wurden. Rein inhaltlich bin ich froh.

Peter Kretschmer, Leiter des Instituts fürGetreideverarbeitung: Ich war überrascht und bin jetzt sehr gespannt,was uns daraus jetzt erwachsen wird. Man weiß ja nicht, was die Linkewirklich auf die Füße stellen kann. Andererseits denke ich, dass manjeder Sache mal eine Chance geben sollte. Wenn beide Parteienbehaupten, sie würden im Interesse des Landes Brandenburg handeln, dannmuss man ihnen das Vertrauen schenken.

Hans-Dietrich Fiebig,Präsident des Landessportbundes: Es gibt keinen triftigen Grund,Vorbehalte gegenüber den Linken zu hegen. 20 Jahre nach der Wende hatsich die Partei profiliert. Mit über 60 Prozent der Wählerstimmen istdie Entscheidung für Rot-Rot repräsentativ. Wer gewählt wird, hatSpuren hinterlassen. Außerdem sollten Menschen nicht lebenslang für dieFehler bestraft werden, die sie in der Vergangenheit gemacht haben.

KatrinWagner-Augustin, Kanu-Olympiasiegerin und Weltmeisterin: Eine rot-roteKoalition ist schon okay. Hauptsache Platzeck bleibt ganz oben. Mit denLinken habe ich gar kein Problem, auch wenn es mir lieber wäre, die SPDwürde allein regieren. Ich glaube nicht, dass sich in Zukunft vieländern wird. Das hoffe ich jedenfalls. Denn die letzten Jahre unterMatthias Platzeck waren nicht die schlechtesten für Brandenburg.

UdoBeyer, Kugelstoß-Olympiasieger: Was soll gegen die Linke sprechen? Aufdie Frage, warum es mit den Linken nicht gehen soll, hatte noch keinereine intelligente Antwort. Die Prozentzahlen, die die Linken bei derWahl erreicht haben, kann doch niemand einfach ignorieren. Das könnendoch nicht alles ehemalige SEDler sein, die sie gewählt haben. Platzeckwird seine Gründe gehabt haben, warum er diesen Weg geht. Ich bin nichtenttäuscht.

Friedrich-Wilhelm Pape, ehemaliger Pastor und Chefdes Oberlinhauses: Ich habe kein schlechtes Gefühl im Nachhinein. Esist an der Zeit für Rot-Rot angesichts ihrer Wahlerfolge. Brandenburggeht seinen eigenen Weg. Die Ideologie der Linken ist natürlich einProblem, aber so viele Menschen sind nicht mehr vorrangig durch ihreIdeologie geprägt. Jetzt können die Linken von der SPD lernen, wie manin der Sozialpolitik verantwortlich handelt.

Kathrin Boron,Ruder-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin: Das hat mich schonüberrascht. Es ist schwer zu sagen, ob Rot-Rot gut ist oder nicht. Ichkann die Linke nur schwer einschätzen. Grundsätzlich habe ich abernichts gegen die Partei. In Berlin haben sie auch erst alle geschrien,als sich die Linke an der Regierung beteiligte. Jetzt ist das dort ganznormal. Ich hoffe, dass Altbewährtes nicht kaputtgemacht wird.
(Von Steven Hanke)