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Beschluss des SPD-Landesvorstands: Inklusion - Rahmenbedingungen für die Praxis in Kitas und Schulen schaffen

Der SPD-Landesvorstand hat in seiner Sitzung vom 3. September 2012 den folgenden Beschluss gefasst:
Inklusion - Rahmenbedingungen für die Praxis in Kitas und Schulen schaffen

Der Grundsatz inklusiver Bildung, Betreuung und Erziehung geht von der uneingeschränkten Teilhabe aller Kinder aus - ob mit oder ohne Behinderung. Kinder und Jugendliche in Brandenburg sollen in der Kita und aufbauend in der Schule eine auf ihre individuellen Bedürfnisse ausgerichtete spezifische Förderung und Unterstützung erhalten.

Eine gemeinsame Philosophie und das Gelingen einer Pädagogik der Vielfalt lassen sich nicht anordnen. Vielmehr müssen alle professionell am Bildungsprozess Beteiligten eng zusammenarbeiten und dabei die Kinder und ihre Eltern beteiligen. Nur so kann man Sorgen und Nöte gemeinsam ausräumen und ein gemeinsames inklusives Denken und Handeln ausbilden.

Viele unserer Kindertagesstätten und Schulen sind derzeit diesen Anforderungen noch nicht gewachsen- weder fachlich, zeitlich, noch räumlich. Eine gelingende Inklusion ist deshalb maßgeblich von der Schaffung dieser Rahmenbedingungen abhängig. Konzeptionelle Veränderungen in Einrichtungen erfordern in erster Linie Schulung und Entwicklung bei bei den Personen, die darin arbeiten. Ein entscheidender Faktor für die Bildungs- und Erziehungsqualität ist die Qualifikation der Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer.

Deshalb fordern für den Bereich der Kindertagesstätten:

  • die Kapazität im Studiengang „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ (B.A.) an der FH Potsdam ist von derzeit 30 Studierenden auf jährlich 60 Studierende auszuweiten.

Nur so wird es uns perspektivisch gelingen, unser Ziel, mindestens 30 Prozent unseres Kitapersonals mit einem hochschulischen Abschluss einzusetzen, zu erreichen.

Inklusion braucht Zeit für die Arbeit am und mit dem Kind. Die gültigen Gesetze und Verordnungen für die brandenburgischen Kindertagesstätten bieten einen hervorragenden Rahmen für den Einsatz vielfältiger (pädagogischer) Berufsgruppen in unseren Einrichtungen. So können auch Personen, die nicht als Erzieherinnen und Erzieher oder Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen ausgebildet wurden, den Status einer Fachkraft erwerben. Diese Möglichkeit gilt es – wie es im Übrigen unsere skandinavischen Nachbarn schon lange praktizieren – zu nutzen. Damit kann die Betreuungssituation in den Kindertagesstätten merklich verbessert werden.

Deshalb fordern wir für den Bereich der Kindertagesstätten:

  • berufsbegleitende Fortbildungs- und Qualifzierungsangebote für das Kitapersonal zu schaffen und insbesondere in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit die Quereinstiege für Menschen durch Qualifizierung zu organisieren. Dabei ist auch der Bereich des Hortes nicht auszuklammern.

Die teilweise Unsicherheit unserer Lehrerinnen und Lehrer an den Förderschulen und Regelschulen, perspektivisch einen gemeinsamen Bildungsweg für alle Kinder zu gehen, speist sich derzeit unter anderem aus den Befürchtungen, dafür nicht ausreichend qualifiziert zu sein.

Deshalb fordern wir für die Schulen:

  • den geplanten Studiengang „Inklusionspädagogik“ an der Universität Potsdam nicht nur für die Grundschule einzurichten sondern innerhalb der Kultusministerkonferenz darauf zu drängen, den entsprechenden Studiengang auf alle Schulstufen auszuweiten. Inklusion endet nicht nach der sechsten Klasse.
  • verpflichtende berufsbegleitende inklusionspädagogische Qualifizierungen für alle Lehrerinnen und Lehrer aller Schulstufen auf dem erforderlichen wissenschaftlichen Niveau zu organisieren und durchzuführen.
  • für die Begleitung von Schülerinnen und Schülern mit inklusionspädagogischem Förderbedarf innerhalb der Schule und bei Projekten ist der Einsatz von pädagogisch geschultem Personal zu prüfen.

Nicht zuletzt müssen für eine erfolgreiche Inklusionsstrategie die baulichen, barrierefreien Voraussetzungen und die materielle Ausstattung (optische, akkustische, haptische Lernhilfen und Lernunterstützungen) unserer Einrichtungen geschaffen werden. Dies wird die kommunale Familie vor große Herausforderungen stellen, die sie ohne Hilfe des Landes oder europäischer Unterstützung nicht allein werden stemmen können.

Deshalb fordern wir die schrittweise Schaffung der baulichen und materiellen Voraussetzungen an den Kindertagesstätten und Schulen:

  • durch eine Prüfung, inwieweit europäische Programme für ein landesweites Schulsanierungsprogramm genutzt werden könne. Die Prüfung soll ebenso beinhalten, ob das Konzept des von Sachsen-Anhalt realisierten Sanierungsprogramms auf Brandenburg übertragbar ist.