SPD SPREE-NEISSE
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Dietmar Woidke im Gespräch mit der MOZ

Herr Woidke, wo haben Sie in dieser Woche die meiste Arbeitszeit verbracht - im Innenministerium, in der Staatskanzlei oder auf neutralem Boden?

Es gab viele Gespräche mit dem Ministerpräsidenten, mit dem Team in der Staatskanzlei habe ich mich vertraut gemacht. Ich bin aber auch weiter im Innenministerium und im Land präsent. Am Donnerstag habe ich zum Beispiel Feuerwehren und THW im Süden des Landes besucht.

Spüren Sie bereits, dass sich Ihr Blick auf andere Themen richtet, wenn Sie dieser Tage Brandenburger Zeitungen lesen?

Ja, das ändert sich natürlich. Ich kenne diese Situation aber bereits als aus meiner Zeit als SPD-Fraktionschef. Da war man auch für alle Themen zuständig und musste sich zu allem eine Position erarbeiten. Jetzt kommt allerdings die unmittelbare Verantwortung für ganz Brandenburg und seine Bürger dazu. Davor habe ich Respekt, es ist schließlich die größte berufliche Herausforderung meines Lebens, aber keinen Bammel. Nach dem fast übermächtigen Abschiedsschmerz um Matthias Platzeck steigt seit einigen Tagen bei mir die auch Vorfreude auf die neue Aufgabe.

Sie haben die Vorbereitung auf das neue Amt kürzlich als Prozess beschrieben, der tief in einem drin abläuft. Was meinen Sie damit?

Gedanken kann man nicht teilen… Aber ich habe auch gesagt, dass sich viele Dinge ändern. Das geht bei der Familie los. Es gab sofort die Frage: Arbeitet Ihre Frau weiter oder wird sie Sie jeden Tag begleiten? Die Antwort ist klar! Wir werden versuchen, unser Leben ganz normal weiterzuführen. Auch wenn es nicht mehr ganz so normal sein wird. Wichtig ist: Ich habe für meine Arbeit die volle Rückendeckung von zu Hause. Dafür bin ich besonders meiner Frau sehr dankbar.

Sie wollen eine Übergabe vom Ministerpräsidenten, Ralf Holzschuher als künftiger Innenminister sicher auch von Ihnen. Wie läuft das?

Ich hatte schon eine ganze Reihe von Gesprächen mit Ralf Holzschuher. Er war bei mir im Büro, gemeinsam mit Staatssekretär Rudolf Zeeb haben wir ihn in die Situation im Haus und in die einzelnen Abteilungen eingeführt. Das wird in den kommenden Wochen so weitergehen, damit er nicht kalt startet. Ich bin mir sicher, er wird ein sehr guter Innenminister.

Am heutigen Sonnabend steht für Sie ein bunter Termin an. Treckertreffen, gemeinsam mit Matthias Platzeck. Wollen Sie sich noch einmal aus der Nähe anschauen, wie er auf unnachahmliche Art Leute drückt und ihnen freundschaftlich auf die Schulter klopft?

Es ist nicht nur das Drücken und Schulterklopfen, was Matthias Platzeck so wertvoll für das Land gemacht hat. Sondern seine Ehrlichkeit und Offenheit. Das Land stand vor vielen schwierigen Situationen, und die Leute wussten immer, was er sagt, dass meint er . Er hat auch Probleme nicht verschwiegen. Aus solchem Herangehen kann ich für meine Arbeit lernen, aber seine Art kopieren kann ich natürlich nicht. Ich werde meinen eigenen Weg gehen.

Also dann, warum Treckertreffen mit Platzeck?

Es ist eine gemeinsame Leidenschaft. Ich stamme aus einem kleinen Bauernhof in der Lausitz, bin mit Pferden, Gänsen, Schweinen, Hühnern und Enten groß geworden, habe die Treckerfahrerlaubnis seit 35 Jahren. Und auch Matthias Platzeck weiß, dass man Vergangenheit und Zukunft der Landwirtschaft selten so schön und originalgetreu erlebt wie beim Treckertreffen in Philadelphia. Das Treffen ist ein Aushängeschild für Brandenburg und lockt Jahr für Jahr tausende Besucher an.

Die Platzeck-Woidke-Vergleiche haben schon am Tag der Rücktrittsankündigung begonnen. Es werden wahrscheinlich noch mehr werden. Sind Sie schon ein bisschen genervt?

Nein. Es ist ganz normal, dass man mit dem Vorgänger verglichen wird. Und natürlich ist Matthias Platzeck ein Ministerpräsident, der nicht nur in Brandenburg, sondern bundesweit bekannt und beliebt ist. Eine absolute Ausnahmeerscheinung. Das sind sehr große Schuhe. Aber auch ich werde gute Politik für die Brandenburger machen.

In unserer Welt haben Bilder einen hohen Stellenwert. Platzeck hatte das drauf, sein Griff ins Haar von Kerstin Kaiser zum Auftakt der rot-roten Koalitionsverhandlungen ist legendär, auch in seiner Aussagekraft. Können Sie das toppen?

(Dietmar Woidke lacht.) Von mir gibt es einen festen Händedruck, ein Schulterklopfen. ..

Am 28. August steht Ihre Wahl zum Ministerpräsidenten an. Wenn werden Sie sich zum ersten Mal programmatisch als Regierungschef äußern?

Vorausgesetzt, der Landtag wählt mich, werde ich am 29. August meine erste Regierungserklärung abgeben. Das bereite ich jetzt schon vor.

Worauf werden Sie in der Rede den Schwerpunkt legen?

Ich will den Weg beschreiben für die kommenden Monate bis zur Landtagswahl. Außerdem werde ich unmissverständlich deutlich machen, dass wir den erfolgreichen Kurs von Rot-Rot für Brandenburg fortsetzen. Darüber sind sich die Koalitionspartner einig. Wir werden in den kommenden Monaten gemeinsam unser Land weiter voran bringen. Bei der Landtagswahl werden die Karten dann für jeden neu gemischt.

Welche Rolle wird der Flughafen in ihrer Regierungserklärung spielen?

Eine wichtige, weil der BER das größte Infrastrukturprojekt der Region ist und die künftige wirtschaftliche Entwicklung unserer Region positiv beeinflussen wird. Je schneller, desto besser.

Trauen Sie sich den Spagat zwischen Lärmschutz- und Wirtschaftsinteressen zu?

Wir müssen einen tragfähigen Kompromiss finden. Die Suche danach beschränkt sich übrigens nicht auf den Flughafen, sondern ist vielerorts ein Thema im Land. Wie kann der Schutz der Bevölkerung vor Lärm und anderen Belästigungen mit der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung des Landes einher gehen? Das ist eine zentrale Frage für die Wohlstandssicherung unserer Gesellschaft, die sich heute ganz anders stellt als vor 20 Jahren, und dafür ist der Flughafen im Moment ein Beispiel.